GameCamp München: “Pressearbeit für Entwickler - Coverage auch ohne Deal”
Mit seinem Vortrag “Pressearbeit für Entwickler - Coverage auch ohne Deal” wollte GameStar- und Making Games-Redakteur Heiko Klinge den auf dem GameCamp München anwesenden Entwicklern heute ein wenig Mut machen. Mut, auch dann den Schritt auf Journlisten oder Blogger zu machen, wenn der Publisher zum eigenen Spiel noch fehlt. Generell gelten die von Klinge präsentierten “Regeln” allerdings auch für jeden anderen Entwickler, der ohne einen großen Publisher an den Markt geht.
Die zentrale Frage, die Branchenkenner Klinge stellte, lautete: “Kann man Coverage in Magazinen vergessen, wenn man keinen Publisher oder kein Geld hat?” Die eindeutige Antwort: Nein.
So stellte er mit World of Goo, The Witcher, Battle World Kronos und BlakeWhite Beispiele von kleinen Entwicklerstudios und -teams vor, die ohne Publisher und Budget großes Medienecho erreichten.
Das Wichtigste zwischen Branche und Journalist sei das gegenseitige kennen lernen. Dazu gehört ein wenig Zeit und für den Entwickler eine Liste zu erfüllender Aufgaben, bevor er den Journalisten schließlich anruft, um ihn sein Projekt vorzustellen.
Kenne Dein Spiel. Seien Sie realistisch bei der Einschätzung was ihr Spiel kann und ist. Suchen Sie nach vergleichbaren Spielen und Spieleklassikern, mit denen Sie Ihr eigenes Spiel vergleichen können. Seien Sie sich bewußt - und haben Sie eine Antwort darauf -, was Sie mit ihrem Spiel erreichen wollen. Ist es ein kommerzielles Projekt? Ein Studentenprojekt? Soll es Ihr Image stärken, oder Ihre Kasse füllen?
Nicht zuletzt: Macht es eigentlich Sinn, dass in einer großen Publikums-Zeitung über Ihr Spiel berichtet wird, wenn es sich dort gegen die Spiele großer Publisher erwehren muss?
Kenne Deine Ansprechpartner. Suchen Sie den richtigen Ansprechpartner raus. Hierzu muss man die Ausrichtung des jeweiligen Magazins und die Vorlieben des Journalisten kennen - durch lesen, nachforschen und vielleicht auch einmal direktes fragen. Kennen Sie aber auch das Medium, denn Print-Magazine berichten nur sehr selten über Online-, Flash- oder Browsergames. Handelt es sich bei Ihrem Spiel bspw. um ein kleines Flash-Spiel wird die Ansprache der GameStar keinen Sinn machen. Dahingegen gibt es andere relevante Online-Seiten und -magazine, die Sie evt. auch vorab exklusiv informieren können. Exklusive Nachrichten werden gern genommen und werden vom richtigen Schlüssel-Medium aus auch von anderen Websites und Community weitergetragen.
Beachten Sie auch: Jedes Land hat seine eigenen Ansprechpartner.
Kenne den richtigen Zeitpunkt. Ist Ihr Spiel wirklich vorzeigbar? Zeigen Sie nicht nur ein Blatt Papier! Gehen Sie erst los, wenn das Produkt soweit fertig ist, dass man es zeigen kann. Verabreden Sie evt. eher einen Termin in einer Redaktion, denn Redakteure müssen heute mehr arbeiten und die Reisebudgets schrumpfen. Nicht jeder Redakteur hat die Zeit oder Mittel lange Wege in ein Studio zu fahren.
Auf Seiten der Magazine sollten Sie zudem den richtigen Zeitpunkt in Form des Redaktionsschluss kennen: Zwischen Erscheinen eines bspw. monatlichen Magazins und dem eigentlichen Redaktionsschluss liegen zumeist rund 14 Tage. Gehen Sie auf ein Magazin also eher vier Wochen vor dem Erscheinen eines Magazins auf den Redakteur zu, als sieben Tage vor dem Erscheinungsdatum.
Kenne Dich selbst. Lassen Sie denjenigen in Ihrer Firma bzw. Ihrem Team präsentieren, der Ahnung vom Spiel hat, aber “gesellschaftsfähig” ist. Der eloquent ist, reden kann, der Witz hat … wählen Sie denjenigen im Team der guten reden *kann* und es auch gern macht. Die eigene Überzeugung zum Spiel zu transportieren muss man können: “Es ist eine Typsache sich in der Öffentlichkeit zu verkaufen. Das ist nichts negatives, aber die gegenseitige Sympathie ist extrem wichtig“, erklärt Klinge. “Nicht jeder ist dafür geeignet über ein Spiel zu reden, nur weil es ihm Spaß macht.” Schauen Sie sich also im Team um, und prüfen Sie selbstkritisch, ob Sie wirklich der richtige Mann (/die richtige Frau) für die Ansprache sind.
Kenne die Alternativen. Natürlich kann ein Magazin nicht alles testen und über Alles berichten. Bedenken Sie die Flut an Spielen, die monatlich auf dem Markt erscheinen. Für kleine Studios ist die Weihnachtszeit bspw. kein idealer Zeitpunkt um auf eine Berichterstattung in großen Print-Magazinen zu hoffen. Allerdings gibt es viele Spiele-Magazine, nicht nur im Print-Bereich. Vielleicht macht es nach der Ablehnung vielleicht doch mehr Sinn das Spiel auf einer Indie-Seite, einer Web 2.0-Plattformen oder von einem Blogger vorstellen zu lassen?
Kenne die Konsequenzen. Zum Schluss sollte man sich über die Konsequenz bewußt sein, die eine Berichterstattung in einem Magazin haben kann. Auf die eigenen Online-Server, die eigene Telefonzentrale oder das eigene Browsergame. Der Effekt einer Berichterstattung kann Null sein, er kann allerdings auch darin resultieren, dass plötzlich 20.000 Besucher am Erscheinungstag des Magazins auf Ihren Server stürmen. Oder sich 30 Journalisten bei Ihnen melden. Oder gar ein Publisher. Seien Sie vorbereitet! Machen Sie sich vorher Gedanken, ob bspw. Ihr Server einen solchen Ansturm verkraftet. Ob Ihr Spiel *wirklich* fertig genug ist, um es Journalisten oder Publishern zu präsentieren.
Lassen Sie nie aus den Augen:
Gamessites und -Magazine haben in Deutschland eine große Macht am Branchenmarkt. Überlegen Sie, was passiert, wenn ihre exklusive Coverage in einem Print-Magazin negativ ausfällt. Überlegen Sie vor Ihren Schritten in Richtung Presse also lieber zweimal, ob das Spiel wirklich soweit ist, um präsentiert oder getestet zu werden.
Dazu: Kennen die Zielgruppe der Magazine! Jedes Magazin hat eine eigene Kultur von Lesern. GamePro ist anders als GameStar. Gameswelt ist anders als Cynamite. Magazine und Websites unterscheiden sich in Arbeitsweise, Verbreitung und nicht zuletzt ihrer Sprache und Lesergruppe. Kennen Sie diese, bevor Sie sich entscheiden, welche dieser Redaktionen Sie anrufen.
