Kopiert Köln zu frech?
Für Köln beginnt die heiße Phase. Bis zum 19. August müssen die Messeplaner der gamescom ordentlich trommeln, um das Publikum auf die neue Messe für Gaming und Entertainment einzustimmen.
Doch neben der Vorfreude mehren sich auch kritische Stimmen aus der Game-Community, deren Tenor Köln vorwirft, lediglich ein Abziehbild der erfolgreichen Games Convention in Leipzig zu sein.
Die Leipziger Messe, zusammen mit dem “ideellen Träger” BIU jahrelang Veranstalter der erfolgreichsten Gaming-Messe in Europa, hatte in enger Zusammenarbeit mit Industrie und Verband die Marke “Games Convention” zu einem jährlichen Happening für Gamer entwickelt. Dass sich die Beziehung zwischen BIU und den Leipzigern abkühlte, war bereits seit Jahren sichtbar - irgendwas oder -wer förderte seit 2003 die Verbindung des Verbands weg von Leipzig, hin zu Köln. Den Zuschlag für die neue “Leitmesse” bekam nach dem Ende der gemeinsamen Vereinbarung zwischen Leipzig und BIU letztlich wenig überraschend die Kölnmesse. Und weil Leipzig nicht mitspielen und den Namen “Games Convention” hergeben wollte, setzte man in Köln auf den Namen gamescom.
Neuer Name, neuer Termin und neues Konzept, versprach man zur Umzugsbekanntgabe im Februar (BIU: “In der Domstadt wird die Branchenmesse unter dem Namen gamescom mit modernisiertem Konzept jährlich im September als europäische Leitmesse von der Koelnmesse weitergeführt.”). Doch dreieinhalb Monate vor dem Event ist von neu, neu und neu nicht mehr viel übrig.
So präsentierte man statt eines Termins im September nach gehörigem Druck der Industrie einen Termin, der wie das “Original” Games Convention nun Ende August liegt. Und nach und nach verkündet man die neuen Konzeptbausteine für die Messe. Doch irgendwie kommt einem das Alles recht bekannt vor.
Da werden Busreisen zur Messe angeboten. Wie in Leipzig.
Es werden Musik-Events um die Messe gelegt. Etwas das, mit wenig Erfolg, auch die Leipziger bereits probiert haben.
Da soll die Innenstadt mit ins Gaming-Erlebnis einbezogen werden. Wie das bereits in Leipzig statt fand.
Man kündigt man einen Zeltplatz für Gamer an. Wie Leipzig es vormachte und mit der neuen, auf Online-Spiele fokussierten Messe “Games Convention Online” ebenfalls wieder macht.
Und nun richtet man in Köln ebenfalls einen Case Modding-Wettbewerb aus. Wie in Leipzig in den Vorjahren und und in diesem Jahr auf der Games Convention Online ebenfalls.
Die Kölnmesse setzt die neue Messe in Zusammenarbeit mit dem BIU um, und natürlich muss man sich fragen, warum man ein erfolgreiches Konzept, dass man günstig kopieren kann, fallen lassen sollte.
Doch aus Gamer-Kreisen muss man sich auch die Frage gefallen lassen, warum man das Event Games Convention vor einem Jahr noch auf dem Scheiterhaufen opferte, wenn man es heute wieder aus der Asche hebt um es zu feiern.
Vom neu, neu, neu bleibt bisher lediglich der Name und Veranstaltungsort. Sonst zeigt Köln im Moment nur, dass sie es verstehen Konzepte zu kopieren und die Community, mit der man feiern will, für dumm zu verkaufen.
Jan Michaels ist Gamer. In seinem Kommentar für GamesDienst fasst er zusammen, was viele seiner Freunde trotz Vorfreude auf das Event derzeit über die gamescom denken.

Wahre Worte - allerdings kann man den Kölnern selbst für diese Copyshow nicht mal unbedingt die Schuld geben. Treibende Kraft ist mutmaßlich der BIU, der nun mit diesem “Abziehbild” eigentlich nur beweist, was jeder in Leipzig wusste: Die GC war ein ausgereiftes Konzept, an dem nur wenig zu verbessern war. Wem das mehrheitlich zu verdanken ist - BIU oder Leipziger Messe - sei dahingestellt. Die Kölnmesse wird dieses Konzept dankbar angenommen haben. Das würde jeder tun, der ein fertiges und jahrelang erprobtes Konzept vorgesetzt bekommt mit der realen Chance, mit diesem Konzept ordentlich Kasse zu machen.
Insofern kann die gamescom nur ein Erfolg werden - die GC war es schließlich auch. Nichts anderes, nur unter anderem Namen an anderem Standort, ist die gamescom.
22.05.2009, 12:39 Uhr #